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Dissertation

In der Publikation "Polonia. Eine Nationalallegorie als Erinnerungsort in der polnischen Malerei des 19. Jahrhunderts" wurde hervorhebend untersucht, wie Künstler im unsouveränen Staat Polen Werke schufen, die den Betrachter an die einstige Existenz der Nation erinnerten, in einer Zeit, in denen polnische Schulen verboten und von den Teilungsmächten eine Germanisierung bzw. Russifizierung der Bevölkerung verfolgt wurde. Diesbezüglich kann beobachtet werden, dass die Künstler in ihren unterschiedlichen Medien „Erinnerungsorte“ schufen, um ein kollektives Gedächtnis aufzubauen sowie die eigene nationale Identität zu bewahren, vor allem mittels Rückgriff auf die eigene Geschichte als wichtige Quelle.

                Es wurde dabei der Nationalallegorie „Polonia“, als eines der vielseitigsten Beispiele der Entwicklung von polnischen Erinnerungsorten im 19. Jahrhundert, ein größerer Rahmen dargeboten, um die Komplexität und die vielfältigen Mechanismen der Konstruktion durch die Künstler genauer zu beleuchten. Dabei wurde darauf eingegangen, wie diese besondere nationale Identifikationsfigur von Künstlern in ihren Werken verwendet wurde, um eine starke Impression auf den Betrachter zu erwirken und somit nachhaltigen Einfluss auf die kollektive Erinnerung zu erzielen.  

                Einen entscheidenden Einfluss auf die einzelnen Visualisierungen hatte der von Adam Mickiewicz entwickelte polnische Messianismus, der als vorherrschender Zeitgeist den kollektiven Gedächtnisapparat antrieb und somit auch die Transformation Polonias zu einem Erinnerungsort prägte.

                Anhand der unterschiedlichen Popularisierung von verschiedenen Polonia-Darstellungen wurde deutlich, dass einige Visualisierungen den Transformationsprozess der Polonia zu einem Erinnerungsort mehr unterstützten als andere, da ihre Themen von einer größeren Bevölkerungsschicht akzeptiert wurden und sich so in ihr kollektives Gedächtnis einprägten.

 

ISBN: 978-3-00-041992-8ISBN: 978-3-00-041992-8

 W. Tetmajer,
Tote Polonia, 1909,
Kathedrale St. Nikolaus, Kalisz,
Foto: K. MannW. Tetmajer, Tote Polonia, 1909, Kathedrale St. Nikolaus, Kalisz, Foto: K. Mann

Post-Doc

Im Postdoc-Projekt mit dem Arbeitstitel: „Re-Inszenierung der Antike von J. J. Winckelmann bis heute“ wird die europäische Kunsterinnerung an Hand von historistischen Baustilen des 18. und 19. Jahrhunderts analysiert. In diesem Thema erhöht sich der Abstraktionsgrad der Erinnerungsort-Theorie von Pierre Nora gegenüber den bisherigen Forschungen. Dabei werden die Transformation und Neuinterpretation von historisierenden Stilen vor allem an öffentlichen Museumsbauten aufgezeigt.

                Eine Epoche, die immer wieder in der Geschichte rezipiert wird, ist die Antike, so dass fast jede Zeit sich ihr eigenes Bild dieses Zeitabschnitts konstruiert, wobei viele Künstler auf die Vorbilder der kulturellen Zeugnisse der Klassik zurückgreifen. Man muss sich dabei jedoch bewusst sein, dass das Wissen über die künstlerischen Fähigkeiten der antiken Künstler auf Rudimenten oder auf Kopien beruht, die nach dem historischen Selektionsprozess übrig geblieben sind. Selbst unsere Zeit, trotz der großen Errungenschaften der Archäologie, kann seine Vorstellung nur auf einer Idee aufbauen. Es stellt sich daher die Frage, wie vor allem Künstler mit solch einer Idee der Antike umgehen. Auffällig ist, dass frühere Epochen zumeist einen für ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Erinnerungsort von der Antike entwarfen und damit verbunden versuchten, die Überbleibsel, die sie gefunden hatten, neu zu konstruieren.

                Das europäische Zeitalter des 18. Jahrhunderts wurde sogar in Andenken an diese Griechenland-Begeisterung als Klassizismus bezeichnet. Die Künstler schulten sich an griechischen Originalen sowie römischen Kopien, die durch archäologische Ausgrabungen und Sammlungskäufe ins eigene Land importiert worden waren. Kopien von berühmten Funden wurden angefertigt und in den Universitäten sowie Kunstakademien als Lehrmittel zur Verfügung gestellt. Die antiken Sammlungen wurden öffentlich in Museen präsentiert, so dass zu diesem Zweck Gebäude in Form von griechischen Tempeln errichtet wurden, damit die Ausstellungsstücke einen Sakralisierungsprozess erfuhren.

 

Sybillentempel in Puławy, Foto: K. Mann, 2016Sybillentempel in Puławy, Foto: K. Mann, 2016